Ärger um Namenssuche für Brücke über die Riedbahn

Aus der Presse | 6. Juli 2012

Waldhof: Bezirksbeirat über Ablehnung der Vorschläge „Bertha-Benz-Brücke“ und „Otto-Siffling-Brücke“ verstimmt

 

Mannheimer Morgen – OST, 06.07.2012 – Von unserem Redaktionsmitglied Jan Zurheide

Der Bezirksbeirat Waldhof-Gartenstadt-Luzenberg ist zurzeit richtig stinkig auf die Stadt Mannheim. Der Grund ist die Frage nach einem neuen Namen für die Riedbahnbrücke, die über die Waldstraße den Stadtteil Waldhof-Ost mit der Schönau und Waldhof-West verbindet.

Die Stadt hatte sich deshalb im Frühjahr mit der Bitte an den Bezirksbeirat gewandt, Namensvorschläge einzureichen. Diese kamen auch. Nach internen Beratungen einigten sich die Bezirksbeiräte auf die Vorschläge „Bertha-Benz-Brücke“ und „Otto-Siffling-Brücke“. Die Autopionierin und der Fußball-Nationalspieler stünden für große Persönlichkeiten, die mit dem Waldhof in Verbindung gebracht würden. Noch immer stehen die Räte hinter ihren Vorschlägen.

„Fühlen uns hintergangen“

Die Stadt aber lehnte sie ab. Die Begründung des zuständigen Fachbereichs Geoinformation und Vermessung: Gegen die Vorschläge spreche die Verwechslungsgefahr mit der Bertha-Benz-Halle und der Otto-Siffling-Straße. Aus sicherheits- und ordnungsbezogenen Gründen seien die Namen daher abzulehnen. Einen Gegenvorschlag hatte die Stadt dann auch gleich parat: „Waldhofbrücke“ solle sie heißen, da dadurch der räumliche Bezug zum Stadtteil widergespiegelt werden würde.

Die Bezirksbeiräte können diese Entscheidung nicht nachvollziehen und ärgern sich. „Es ist doch total unsinnig, dass wir uns Gedanken machen, und dann wird alles mit einem Handwisch abgelehnt“, sagt der SPD-Bezirksbeirat, Stefan Höß. Ähnlich enttäuscht äußerte sich sein Kollege von der CDU, Alexander Manz: „Es ist sehr bedauerlich, dass es nicht mal eine Diskussion gab. Das ist einfach kein Stil, und da fühlen wir uns hintergangen.“

Die Stadt rechtfertigt die Entscheidung. Man habe aufgrund der Vorschriften in der Gemeindeordnung keine Wahl gehabt. „Wir müssen immer schauen, ob es ähnliche Namen gibt, damit zum Beispiel bei Notfalleinsätzen keine Verwechslungsgefahr besteht“, sagt der Leiter des Fachbereichs Geoinformation und Vermessung, Werner Grüninger. Und diese sei bei „Otto Siffling“ und vor allem bei „Bertha Benz“ definitiv gegeben. „Es gibt schon eine Bertha-Benz-Halle und dazu noch eine Carl-Benz-Straße und ein Carl-Benz-Bad. Wenn man alles mit ,Benz‘ zupflastert, ist die Verwechslungsgefahr groß.“

Die Begründung an sich scheint vielen Bezirksbeiräten noch schlüssig, Kopfschütteln löst jedoch der Gegenvorschlag „Waldhofbrücke“ aus. „Es gibt doch auch bereits eine Waldhofstraße und sogar einen ganzen Stadtteil mit diesem Namen“, sagt CDU-Bezirksbeirat Manz.

Auf Nachfrage muss auch die Stadtverwaltung eingestehen, dass ihr Gegenvorschlag genauso viel Verwechslungsgefahr in sich birgt wie die Vorschläge des Bezirksbeirats. „Das ist uns erst im Nachhinein aufgefallen“, gibt Grüninger zu. Der Name „Waldhofbrücke“ sei damit ebenso vom Tisch wie „Bertha-Benz-“ oder „Otto-Siffling-Brücke“. Davon scheinbar unbeeindruckt hat die FDP-Fraktion im Gemeinderat nun jedoch einen Antrag eingereicht, in dem erneut der Name „Otto-Siffling-Brücke“ vorgeschlagen wird. Davon, dass der Name intern bereits abgelehnt wurde, wusste der FDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Volker Beisel, zwar noch nichts. Überzeugt von der Begründung für die Ablehnung ist er aber nicht. „Die Ehrung für Otto Siffling steht doch im Vordergrund. Die genauen Brückennamen kennen ja eh nicht viele, und es gibt genug Beispiele für gleiche Straßen- und Brückennamen.“

Wieder bei Null angekommen

Die Stadt wird sich davon kaum überzeugen lassen. „Im Moment gibt es keinen tragbaren Vorschlag. Wir hoffen aber weiter auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeirat“, sagt Grüninger.

Der Namensfindungsprozess ist damit aber vorerst wieder bei Null angekommen. Entscheiden muss darüber letztlich der Gemeinderat. Im August oder September sollte die Brücke eigentlich auf ihren neuem Namen „getauft“ werden. Nur unter welchem? Diese Frage stellt sich nun mehr denn je.

 

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