Gemeinschaftsschule gefragt

Aus der Presse | 6. November 2012

Bildung: Umfrage der Stadt bei Eltern von Viertklässlern / Ganztagsbetreuung im Trend

Mannheimer Morgen – Mittwoch, 31.10.2012

Fast jeder Zweite kann sich laut einer Umfrage vom März 2012 grundsätzlich vorstellen, sein Kind an einer Gemeinschaftsschule anzumelden. Diese neue Schulart ist für Mannheimer Eltern besonders attraktiv, wenn eine gymnasiale Oberstufe angeboten wird. Dies ergab eine landesweit einmalige Befragung von Eltern aller Quadratestadt-Viertklässler, die durch das Dezernat von Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb durchgeführt wurde. Wie die Stadt gestern mitteilte, wurde die Meinung der Eltern zum Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung und der Einführung einer Gemeinschaftsschule abgefragt. Bei fehlender gymnasialer Oberstufe an einer Gemeinschaftsschule interessieren sich vorwiegend Eltern, deren Kinder eine Empfehlung für die Haupt/-Werkrealschule und Realschule erhalten haben, für diese Schulart.

Kritik von CDU und FDP

Im Gemeinderat lehnt die CDU die Gemeinschaftsschule allerdings ab. „Wir sind gegen diese Schulform, weil wir sie für überflüssig halten, weil die Lehrer nicht darauf vorbereitet sind und weil es keinen Beleg dafür gibt, dass gemeinsames Lernen etwas bringt“, erklärte Stadträtin Rebekka Schmitt-Illert im Bildungsausschuss. Auch die FDP kritisiert die Interpretation der Umfrage und warnt davor, „einseitig die Gemeinschaftsschule zu bevorteilen“. Zum Zeitpunkt der Umfrage, im März 2012, waren noch nicht einmal die wichtigsten Eckpunkte der neuen Gemeinschaftsschule“, kritisieren die Liberalen.

„Ich freue mich über die Ergebnisse unserer Befragung. Die Antworten der Eltern geben meinem Dezernat eine klare Grundlage für die Weiterentwicklung einer nachfrageorientierten kommunalen Schullandschaft im Bereich der weiterführenden Schulen“, betont dagegen die Bildungsbürgermeisterin. Die Gemeinschaftsschule biete ein längeres gemeinsames Lernen, durch das Kinder und Jugendliche mehr Freude am Lernen entwickeln würden. Gleichzeitig werde jedes Kind in seinen Stärken und Schwächen gefördert. Die Ergebnisse zeigten zudem, dass das Interesse an der Haupt- und Werkrealschule spürbar abnimmt und nur noch rund 17 Prozent der Befragten sich überhaupt vorstellen können, ihr Kind an dieser Schulart anzumelden. Damit bestätigte die Elternbefragung die fehlende Nachfrage dieser Schulart. Die Gemeinschaftsschule bietet auch hier eine pragmatische Lösung.

Bei der Wahl der weiterführenden Schulen sind für die Eltern drei Faktoren ausschlaggebend: 1. Die Schule ist eine Ganztagesschule, 2. Ein kurzer Schulweg. 3. Die schulische Qualität.

Vor allem für Eltern mit niedrigem Schulabschluss, für Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund ist laut der Befragung wichtig, dass die Schule über ganztägige Betreuungsangebote verfügt. „Ganztageangebote und Gemeinschaftsschulen tragen zur Bildungsgerechtigkeit bei“, so die Dezernentin. Kinder und Jugendliche würden unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund gefördert und Eltern werde eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht. „Wir müssen unsere Schulen weiterentwickeln, um die Schüler bestmöglich und zeitgemäß zu fördern. Befragt wurden alle Eltern von Viertklässlern in 34 Grundschulen. 1239 Eltern von 2220 Viertklässlern haben an der Aktion teilgenommen. tan

 

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