Theaterfreunde sind gespalten

Archiv, Aus der Presse | 8. November 2012

Von Gerhard Bühler Rhein-Neckar-Zeitung – Donnerstag, 08.11.2012

Mannheim. Hinter verschlossenen Türen diskutieren die Mitglieder des Kulturausschusses am Donnerstag ein Thema, das nicht nur die Kulturbeflissenen in Mannheim bewegt. Dabei könnte es verbal recht heftig zugehen. Schließlich geht es um die Zukunft des ältesten kommunalen Theaters Deutschlands – des Nationaltheaters. Nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden der bisherigen Generalintendantin Regula Gerber soll die Führungsstruktur verändert werden. Der Vorschlag von Oberbürgermeister Peter Kurz zur Umstrukturierung an der Spitze findet allerdings nicht nur Freunde im Gemeinderat. Nach seinen Vorstellungen soll das Haus von einer zweiköpfigen Eigenbetriebsleitung und einem kollegialen Leitungsgremium geführt werden. Grundlage für das Konzept ist ein Thesenpapier des ehemaligen Stuttgarter Intendanten Hans Tränkle.

Die Mannheimer CDU-Gemeinderatsfraktion steht dem Konzept ablehnend gegenüber. „Es ist wichtig, dass eine Person die künstlerische Leitung verantwortet, fünf Intendanten gehen nicht“, sieht Fraktionsgeschäftsführer Matthias Sandel die Verhältnisse des großen Stuttgarter Staatstheaters nicht auf Mannheim übertragbar an. Wegen des Ausfalls der Generalintendantin sei es nicht richtig, die gesamte Struktur infrage zu stellen, die jahrzehntelang gut funktioniert habe.

„Das Rotationsmodell ist mit uns nicht zu machen, da muss der OB gleich noch einen Mediator einstellen“, fürchtet auch FDP-Fraktionsführer Volker Beisel Kompetenzstreitigkeiten und fehlende Verantwortlichkeit. Kritik an dem Vorschlag kommt auch von Prof. Achim Weizel, Fraktionssprecher der Mannheimer Liste und als Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Nationaltheaters ein intimer Kenner der Szene. „Es braucht eine Person, die das Haus repräsentiert“, sieht Weizel die Rotation und Verteilung der Aufgaben der bisherigen Generalintendantin als nachteilig an. Die Arbeitsbelastung für die Personen an der Theaterspitze sei mit den zusätzlichen Aufgaben zu groß, er fürchtet einen Verlust an Qualität.

„Es scheint ein vernünftiges Konzept zu sein, das wir unterstützen werden“, sieht SPD-Fraktionsführer Ralf Eisenhauer dagegen vom Oberbürgermeister die richtige Richtung gegeben, auch wenn Detailfragen noch zu klären seien. Das Konzept komme aus dem Nationaltheater selbst und sei unter Mitwirkung der dort Verantwortlichen erstellt worden.

Auch die Fraktion der Grünen unterstützt das neue Konzept, meldet aber kleine Veränderungswünsche an. „Nach Gesprächen mit den Spartenleitern sind wir optimistisch, dass es funktionieren wird“, sieht Stadtrat Gerhard Fontagnier die „Demokratisierung der Theaterleitung“ als richtigen Schritt an. Außerdem würden wohl eineinhalb Jahre vergehen, bis eine neue Generalintendanz gefunden und installiert sei.

Eine endgültige Entscheidung über die Führungsspitze fällt am 18. Dezember.

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