Lange Debatte um die Au

Archiv, Aus der Presse | 21. November 2012

Bundesgartenschau: Kompromissvorschlag gegen die Stimmen der CDU im Hauptausschuss verabschiedet

Mannheimer Morgen – Mittwoch, 21.11.2012 / Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

Über drei Stunden dauerte das Ringen um Worte, dann stand fest: „Anteilig stärker auf dem Gelände der bisherigen Spinelli-Kaserne, reduziert in der Feudenheimer Au“ soll die Bundesgartenschau 2023 stattfinden. Dafür stimmte gestern Abend der Hauptausschuss des Gemeinderates – allerdings gegen die Stimmen der CDU.

Sie befürwortet zwar, wie alle anderen Parteien, grundsätzlich eine erneute Gartenschau. Den Christdemokraten ist jedoch wichtig, das Landschaftsschutzgebiet Au vor Eingriffen zu bewahren und die Zukunft der Straße „Am Aubuckel“ zu klären. Zumindest einige Antworten darauf soll eine Arbeitsgruppe mit Stadträten aller Fraktionen finden. Man wolle bis Februar klären, wie die Au als „offene Park- und Feldlandschaft gestaltet werden könne“, formulierte Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz als Kompromiss. Dann erst – und nicht schon, wie geplant, kommende Woche – stimmt der Gemeinderat endgültig darüber ab, ob und welche Bewerbung für eine Gartenschau in 2023 abgegeben wird.

Zunächst hatte Kurz von seiner Vorlage, die ein stärkeres Gewicht auf die Au legte, überhaupt nicht abweichen wollen. Wenn das vorliegende Konzept keine Mehrheit finde, gefährde dies das gesamte Vorhaben einer Gartenschau. Die könne nicht allein auf dem Spinelli-Gelände stattfinden, weil dies nur Sandboden biete und für Besucher unattraktiv sei, sagte Bernhard Schwarz, Landschaftsplaner und Autor der Machbarkeitsstudie. Entscheidend sei neben der Kaserne die „Hangkante“ zur Au und die dort verlaufende alte Neckarschleife. „Aber ob ein oder zwei Hektar mehr, ist nicht wichtig“, hatte Schwarz die Chance auf den Kompromiss eröffnet.

Baubürgermeister Lothar Quast räumte ein, dass es für ihn und die Stadtplaner ein „größerer Überraschungseffekt“ gewesen sei, dass plötzlich die Au wieder ins Visier gerate. Doch man wolle ja nicht auf Dauer alles einzäunen. Die Gartenschau biete eine „Riesenchance“, aber natürlich müsse man eine Veränderung oder Verlegung der Straße „Am Aubuckel“ prüfen. „Ohne die Bereitschaft, in bestehende Situationen einzugreifen, wird man den Zugewinn einer Gartenschau nicht erhalten“, mahnte Quast: „Eine Bundesgartenschau, die keine Veränderung an der Landschaft vornimmt, ist keine Bundesgartenschau!“

Kurz erinnerte daran, dass er selbst in den 1980er Jahren gegen eine Straße und für den Schutz der Au gekämpft habe. „Ich bin nicht angetreten, um 30 Jahre später genau das zu tun“, versicherte er. Er wolle „keinen Entertainment- und Amüsierpark“, sondern das Landschaftsschutzgebiet erhalten. Er habe auch kein Problem damit, die Gartenschau und deren Schauplatz einem Bürgerentscheid zu unterziehen.

„Wir wollten immer eine Buga, um die Konversion zu bewältigen, die Kasernen in den Grünzug zu integrieren und umzugestalten, bekommen haben wir ein Konzept für eine Buga in der Au mit ein bisschen Spinelli dazu“, beklagte CDU-Fraktionsvorsitzender Carsten Südmersen: „Das machen wir nicht mit!“ Die CDU erwarte einen Grundsatzbeschluss, was mit der von 22 000 Autos befahrenen Straße passiere.

SPD-Fraktionschef Ralf Eisenhauer fand die Debatte „mutlos“, Reinhold Götz „kleinkariert“: „Wenn wir mit dem Tempo an die ganze Konversion rangehen, gnade uns Gott!“ Die SPD sehe die Verwaltung auf dem richtigen Weg, appellierte Eisenhauer an die anderen Parteien, „den Weg geschlossen mitzugehen“. Dr. Elke Wormer (FDP) und Thomas Trüper (Linke) waren dazu bereit. Gabriele Thirion-Brenneisen (Grüne) legte zunächst auch viel Wert auf die Freihaltung der Au und wollte die Abstimmung zunächst vertagen, stimmte der Vorlage aber doch zu. Auch Roland Weiß (ML) formulierte Bedenken, besonders wegen der „unkalkulierbaren Finanzierung“, trug die Kompromiss-Formulierung dann jedoch mit.

 

 

 

 

 

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