Ein Stadtteil macht mobil – mit Musik gegen rechte Parolen

Archiv, Aus der Presse | 14. Februar 2013

Protest: Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Vereinen plant Aktionen gegen NPD-Kundgebung auf dem Alten Meßplatz

Von unserem Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber / © Mannheimer Morgen, Donnerstag, 14.02.2013

Die Neckarstadt macht mobil gegen die NPD – und die Organisatoren hoffen, dass auch möglichst viele aus dem übrigen Stadtgebiet bei den Protestveranstaltungen mitmachen. Am Samstag veranstalten die Rechtsextremen zwischen 11 und 15 Uhr eine Kundgebung auf dem Alten Meßplatz. Das Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ ruft am gleichen Tag zu zwei Gegendemonstrationen auf. Beide sollen ebenfalls am Alten Meßplatz enden, wo das Bündnis eine Kundgebung abhalten und die NPD-Veranstaltung mit lauter Musik stören möchte.

„Wir wollen den Platz antifaschistisch beschallen“, erklärt Mathias Kohler, der stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD. Seine Partei ist bei „Mannheim gegen Rechts“ ebenso engagiert wie Grüne, FDP und Linkspartei, aber auch Gewerkschaften, Stadtjugendring, Jüdische Gemeinde und der „Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus“ gehören zu der Vereinigung aus fast 50 Initiativen. Als „Schallquelle“ soll am Samstag der freie Radiosender bermuda.funk dienen. Er wird zwischen 8 und 18 Uhr auf seiner UKW-Frequenz 89,6 ein Sonderprogramm fahren, wie Gabriel Höfle, der Quartiermanager in der Neckarstadt-West, erklärt: „Ein Info-Programm gegen Rechts mit antifaschistischer Musik.“ Anlieger des Meßplatzes wie die Alte Feuerwache oder das Einraumhaus wollen das Programm per Lautsprecher auf den Platz übertragen. Höfle ruft auch Anwohner auf, mitzumachen und ihre Boxen ans Fenster zu stellen. Einraumhaus und Feuerwache verkaufen außerdem heiße Getränke und Suppe.

Der Protest soll am Samstagmorgen um 9 Uhr mit zwei Demonstrationen beginnen. Das Bündnis hofft insgesamt auf „eine vierstellige Teilnehmerzahl“. Ein Zug startet am Neumarkt, der andere am Gewerkschaftshaus, beide wollen spätestens gegen 10 Uhr auf dem Alten Meßplatz zur Kundgebung eintreffen. Bei einer Besprechung hat die Verwaltung gestern grünes Licht gegeben.

Die NPD-Veranstaltung wird in einigem Abstand – über den die Polizei wacht – ebenfalls auf dem Alten Meßplatz stattfinden. Sie steht unter dem Motto „NPD – für Sicherheit und Ordnung“. Laut Ankündigung auf der Internetseite der Partei geht es um die Zuwanderung aus Osteuropa, die NPD bringt die Migranten mit einer angeblich gestiegenen Kriminalität in Verbindung. In der Anmeldung für die Kundgebung ist von 50 bis 70 Teilnehmern die Rede, so ein Rathaus-Sprecher. Ursprünglich sollte auch ein Fanfarenzug auftreten, jetzt allerdings will die NPD lediglich Musik vom Band abspielen. Die Stadtverwaltung hat die Kundgebung genehmigt. Ein Verbot wäre rechtlich nicht durchsetzbar gewesen, so der Sprecher.

„Keine Sündenböcke“

Das Bündnis hält es für unsäglich, dass die NPD die Zuwanderung aus Osteuropa für ihre rechte Hetze benutzt. „Das sind Menschen, die in ihrer Heimat unter Verfolgung und Armut leiden“, sagt Höfle. Auch die Bezirksbeiräte Neckarstadt-West und Innenstadt/Jungbusch richten sich in einer Erklärung gegen die NPD-Kundgebung. Es könne nicht sein, dass die Neonazis Stimmung machten gegen einzelne Bevölkerungsgruppen und diese zu Sündenböcken erklärten. In diesen Stadtteilen habe das friedliche Zusammenleben der Kulturen eine lange Tradition.

Die Mieter der Alten Feuerwache wie Schnawwl, Kulturbüro 2020 und Bezirksverband Bildender Künstlerinnen und Künstler haben für den Samstag eigens einen 20 Quadratmeter großen Banner gestaltet. Die Botschaft: „Kultur ist bunt. Für Vielfalt und Toleranz.“

 

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