Streit um Notruf entbrannt

Archiv, Aus der Presse | 19. Februar 2013

Der MM berichtet über die Anfrage zum Notruf 112 der FDP-Fraktion

Der MM berichtet über die Anfrage zum Notruf 112 der FDP-Fraktion

Feuerwehr: Landen Mannheimer Anrufe künftig in Ladenburg? / FDP stellt heute Anfrage im Gemeinderat

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge / © Mannheimer Morgen, Dienstag, 19.02.2013

Das Papier findet sich ganz unten im dicken Stapel der Unterlagen für die heutige Sitzung des Gemeinderates – aber es ist brisant, denn mit ihm schlägt die FDP Alarm. Sie fürchtet „weniger Sicherheit für die Mannheimer trotz Mehrkosten“. Wenn Mannheimer Bürger die Notrufnummer 112 wählen, sollen sie nämlich künftig in der Leitstelle in Ladenburg landen, nicht mehr bei der Mannheimer Feuerwehr.

„Bei einem Notfalleinsatz zählt jede Sekunde“, wundert sich der FDP-Fraktionschef Volker Beisel. Durch die Weiterleitung des Notrufes gehe lebensrettende Zeit verloren. Denn bei einem Brand oder Unfall in der Quadratestadt müsse die Leitstelle in Ladenburg wieder zur Mannheimer Feuerwehr zurückverbinden. Dies will die FDP-Fraktion nicht akzeptieren, zumal Mannheim erst Geld für die technische Ausrüstung von Ladenburg investieren solle. „Wir sind nicht bereit, eine Investition zu finanzieren, die die Sicherheitslage der Mannheimer verschlechtert“, so der FDP-Fraktionschef. In seiner Anfrage will er die bisher öffentlich nicht genau bezifferten, intern mit über 300 000 Euro angegebenen Kosten dieser Umrüstung in Erfahrung bringen.

Auch wenn das Papier heute auf der Tagesordnung steht, wird es nicht behandelt, sondern nur in den zuständigen Ausschuss verwiesen. Der hat sich schon im November kurz mit dem Thema befasst – hinter verschlossenen Türen. SPD, Grüne und CDU beantragten zwar bereits 2011 eine Leitstelle nur für Mannheim. Öffentlich behandelt wurden diese Vorstöße bisher aber nie.

Die Landesregierung will es nämlich anders. Sie schaffte zunächst die früher für den Rettungsdienst geltende eigene Nummer „19 222“ ab. Egal ob medizinischer Notfall oder Brand – es gilt, wie in Europa üblich, nur noch die 112. Die soll aber in sogenannten Integrierten Leitstellen abgefragt werden, also gemeinsam für Feuerwehr und Rettungsdienst.

Eine solche Leitstelle gibt es seit 2006 in Ladenburg. Für den Rhein-Neckar-Kreis alarmiert sie alle Freiwilligen Feuerwehren. Zudem steuert sie Rettungswagen und Notarzt im Rhein-Neckar-Kreis, in Mannheim und Heidelberg, weil die einen gemeinsamen „Rettungsdienstbereich“ bilden. Wählen Bürger die „112“, landen Mannheimer bisher erst mal bei der Feuerwache Mitte, die – wenn es nur um einen Rettungswagen geht – per Knopfdruck nach Ladenburg weitergibt.

Neubau vorgeschlagen

Der Landrat des Rhein-Neckar-Kreises und das Rote Kreuz, die gemeinsam die Ladenburger Einrichtung tragen, drängen schon lange auf eine Änderung – sie wollen alle Anrufe haben. Rückendeckung erhielten sie von der Landesregierung.

Im November gab es ein Spitzengespräch der Oberbürgermeister, des Landrats und des DRK mit dem Landesbranddirektor. Man einigte sich darauf, „dass die Bildung einer Bereichsübergreifenden Integrierten Leitstelle eine sinnvolle, dem Hilfeleistungsgedanken dienende, zielführende und gesetzeskonforme Lösung sei“, hieß es danach. Wo deren Standort sein solle, solle aber erst ein Gutachter klären.

Offen blieb, was in der Übergangsfrist passiert. Der Landrat verkündete, schon ab März müssten Mannheimer Anrufe in Ladenburg landen. Doch das funktioniert schon rein technisch nicht. Erst müsste in Ladenburg (auf Kosten von Mannheim) ein zusätzlicher Abfrageplatz installiert, dann Mannheimer Beamte abgeordnet werden. Die Rede ist von drei Stellen, die man dazu bei der Mannheimer Feuerwehr neu schaffen müsste – denn die will und kann ihre eigene Leitstelle ja nicht aufgeben. Sie nimmt hier nicht nur Notrufe entgegen, sondern steuert ihre gesamten Einsätze, koordiniert die ganze Logistik, überwacht über 400 Brandmeldeanlagen, ist in das Luftmessnetz der BASF einbezogen.

Beim Bau der neuen Feuerwache in Neckarau hat Mannheim ohnehin Heidelberg und dem Landkreis angeboten, eine neue, zentrale Leitstelle hier aufzubauen. Das würde 1,5 Millionen Euro kosten. Sie soll bis 2017 fertig sein. Was bis dahin passiert, ist offen. In einer nichtöffentlichen Vorlage warnte das Rathaus vor einer Umleitung von Notrufen nach Ladenburg, sonst sei das „Sicherheitsniveau“ in Gefahr. Es sei „mit Verzögerungen in der Alarmierung, verlangsamtem Reagieren auf Lageänderungen und im Falle einer flächendeckenden Schadenslage mit hohen Wartezeiten bei der Notrufabwicklung zu rechnen“, hieß es warnend – aber nicht öffentlich.

 

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