Grillen am Neckar wird zum Generationen-Streit

Archiv, Aus der Presse | 17. April 2013

Neckarstadt: Jungsozialisten und Junge Liberale wollen das Brutzeln auf der Neckarwiese trotz der Anwohnerbeschwerden beibehalten

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 17.04.2013

Die Jusos Mannheim wollen die bestehenden Regelungen zum Grillen auf der Neckarwiese beibehalten. Wie die Jungen Liberalen (Julis) sprechen sie sich für Grillfreiheit in Mannheim aus. Die FDP-Nachwuchspolitiker schlagen in einer jetzt veröffentlichten Pressemitteilung vor, mit anderen Jugendverbänden parteiübergreifend zusammenzuarbeiten und kreative Aktionen zu starten. „Wir wollen endlich eine Berücksichtigung der Interessen der jungen Generation“, so Kreisvorsitzender Emanuel Kollmann.

Wie berichtet, fordern Anwohner derzeit vehement, das gesellige Brutzeln vor ihren Häusern zu verbieten (wir berichteten) und sammeln Unterschriften für ein Verbot. Naherholungsmöglichkeiten seien aber wichtig für die Menschen und für die Attraktivität der Stadt Mannheim, finden die Jusos. „Das Grillen am Neckar ist für viele Mannheimer ein wichtiger Bestandteil ihrer Freizeitgestaltung im Sommer“, so der Juso-Kreisvorsitzende Christian Dristram. Die Julis kündigen sogar an, sich gegen ein Verbot zur Wehr zu setzen: „Es kann nicht sein, dass wegen ein paar unbelehrbarer Dreckspatzen eine weitere, wunderbare Grillfläche geräumt wird“, sagt Emanuel Kollmann.

Das Neckarufer wird nach Beobachtung der Jusos insbesondere von jungen Menschen und Bürgern mit geringem Einkommen und eingeschränkter Mobilität zur Freizeitgestaltung genutzt. „Wir sind der Meinung, dass sie nicht aus der Stadt verdrängt werden dürfen“, sagt Dristram. Außerdem spiele die Attraktivität der Stadt, beispielsweise für junge Menschen, für die Zukunftsfähigkeit Mannheims eine wichtige Rolle. „Auch das ist ein Grund, warum wir das Neckarufer weiterhin für alle Bürgerinnen und Bürger nutzbar lassen müssen“, sagt Mai Nguyen, stellvertretende Juso-Kreisvorsitzende.

Die Jusos wollen zwar die Kritik der Anwohner ernst nehmen. Aber: „Wir kommen zu dem Schluss, dass die Grillmöglichkeiten nicht eingeschränkt werden müssen“. Bezüglich der Müllproblematik habe die Stadt im letzten Jahr vorbildlich reagiert und die Häufigkeit der Säuberung erhöht, meint Nguyen: „Das hat die Sauberkeit schon sehr verbessert. Nun sollten dringend mehr Toiletten aufgestellt werden und eventuell über die Lösungen der zeitlichen Einschränkung nachgedacht werden.“

Die Jungen Liberalen glauben: „Wenn wir endlich eine angemessene Anzahl an Mülleimern und einen besseren Reinigungsrhythmus hätten, würden viele der Probleme, die die Anwohnern stören, ganz ohne ein Verbot gelöst“, so Pressesprecher David Hergesell. Sie fordern von der Stadtverwaltung eine „Sauberkeitsinitiative“.

Auch die SPD-Nachwuchspolitiker kritisieren im Übrigen, dass immer wieder Verbote diskutiert würden, die im besonderen Maße junge Menschen betreffen würden. So sei 2012 im Land die Debatte um ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen geführt worden. Die Jusos hätten dabei innerhalb der SPD bewirkt, dass sich diese gegen ein Alkoholverbot gestellt habe. aph

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