Nicht alle Jugendlichen wollen schon mit 16 wählen dürfen

Archiv, Aus der Presse | 17. Juli 2013

Von Heike Warlich-Zink

„Wir möchten, dass Sie möglichst schnell auf den Punkt kommen und haben die Redezeiten auf 90 Sekunden begrenzt“, machen die Moderatoren Tobias Brudermüller, Hanna Reichenbach und Vanessa Grifo dem Podium unmissverständlich klar, worum es geht: Mannheimer Schüler wollen von den Wahlkreiskandidaten von CDU, FDP, SPD, Grünen, Linken, Piraten und AfD auf klare Fragen klare Antworten. Vier dieser temporeichen Podiumsdiskussionen fanden im Jugendkulturzentrum „Forum“ statt, eine Veranstaltung im Rahmen des groß angelegten Kooperationsprojektes „Bock auf Wahl?“ von Stadtjugendring, Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium, der Carl-Benz-Schule und der Jugendförderung.

Begrenzte Redezeit

1000 Schüler aus weiterführenden Schulen waren eingeladen worden, um den Politikern auf den Zahn zu fühlen. Eine Chance, die jeweils 90 Minuten lang intensiv genutzt wurde. Standardsätze aus Wahlprogrammen wollten die Jugendlichen nicht hören. Vielmehr stellten die wechselnden Moderatorenteams aus jeweils drei Schülerinnen und Schülern ganz gezielt Fragen zu Themen wie Bildungspolitik, Asylrecht, Mindestlohn, Leiharbeit, Drogenpolitik, Waffenexporten oder dem Euro. Die Bundestagsabgeordneten Professor Dr. Egon Jüttner (CDU), Stefan Rebmann (SPD), Dr. Birgit Reinemund (FDP), Dr. Gerhard Schick (Grüne) und Michael Schlecht (Linke) nahmen an allen vier Podiumsdiskussionen teil. Für die Afd stellten sich abwechselnd die Kandidaten Bernd Kölml und Ronald Geiger, für die Piraten Stefan Täge und Sophie Mathes den Fragen.

„Gesetzt den Fall, Edward Snowden wäre im Anflug auf Deutschland: Würden Sie ihn landen lassen und Asyl gewähren, ihn weiterfliegen lassen oder würden Sie ihn ausliefern?“ wurden die Podiumsteilnehmer aufgefordert, in Anlehnung an die Kinderquizshow „1, 2 oder 3“ ihre Positionen einzunehmen.

Heiß diskutiert dann das Thema Europapolitik. „Wie realistisch ist denn die Bekämpfung des wirtschaftlichen Ungleichgewichtes, und wer stellt sicher, dass die bereitgestellten Gelder direkt den Menschen zugute kommen?“ fragten die Moderatoren. Je nach Parteizugehörigkeit waren unterschiedliche Auffassungen zur Wirksamkeit der geschnürten Hilfspakete zu hören. Während die einen daran gekoppelte Bestimmungen als sinnvolle Ratschläge erachten, sehen die anderen darin unzumutbare Vorschriften der Bundesregierung, „um die Länder kaputt zu sparen“. Und so wurde Joker um Joker – ein von den Moderatoren zur Gegenrede zugelassenes Mittel – gezogen.

„Soll sich Deutschland bei Krisensituationen wie in Syrien und der Türkei raushalten?“, „Ist ein Zurückfahren von Waffenexporten aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt möglich?“ – auch das waren Fragen der Jungwähler, auf die die Kandidaten ohne Umschweife antworten mussten.

Die Frage, wie es denn mit dem Wahlrecht ab 16 Jahre sei, richtete sich übrigens nicht nur an die Politiker, sondern auch an die Schüler selbst. Und zumindest bei der Auftaktpodiumsdiskussion ging etwa ein Viertel roter Karten für „Nein“ hoch.

„Nicht aber, weil junge Menschen politikverdrossen sind, sondern weil sie sich bei den Themen unsicher fühlen“, sagte Oliver Stoltz als einer der drei Politiklehrer, die die Schülerinnen und Schüler auf die Durchführung der Podiumsdiskussionen vorbereitet hatten.

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